Schwabenkinder aus dem Walgau

Schwabenkinder Projekt Interreg IV

Über Jahrhunderte gingen aus jeder Walgaugemeinde zwischen Josefi und Martini schulpflichtige Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren ins Schwabenland „gastarbeiten“: Schwabenkinder, Hütekinder – das war bittere Armut, weite Wege, manchmal noch im Schnee, Heimweh, Arbeit und die Abhängigkeit von einem fremden Dienstherrn. Das war aber auch das doppelte Häs im Herbst, festes Schuhwerk und vielleicht sogar ein paar Gulden. Jahrhundertelang währte dieser Austausch zwischen dem Alpenraum und dem Hinterland nördlich des Bodensees. 

Die Kinder kamen nicht nur aus Vorarlberg, sondern auch aus Tirol, Graubünden, Liechtenstein oder Südtirol. Ihre Zahl kann nur geschätzt werden, eine genaue Buchführung über die Herkunft und Namen dieser Kinder wurde nie durchgeführt, aber es waren jährlich mehr als tausend.

Die Schwabenkinder im Walgau

Dass nach vielen Jahren die „Schwabenkinder“ plötzlich wieder zum Thema wurde, ist dem internationalen EU-Forschungs- und Ausstellungsprojekt unter Leitung des Bauernhaus-Museums Wolfegg zu verdanken. Im Jahr 2008 lud es die ELEMENTA Walgau dazu ein, beim EU-Projekt „Die Schwabenkinder“ teilzunehmen. Zusammen mit Partnern aus Süddeutschland, Vorarlberg, Graubünden, Tirol und dem Fürstentum Liechtenstein wurde die Geschichte der Schwabenkinder aufgearbeitet. Mit alten Kirchenbüchern und den Dienstbüchlein der oberschwäbischen Bauern lassen sich manche Wege und manche Beziehungen heute nachzeichnen. Über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse gibt es einzelne Zeitzeugnisse. Diese zusammenzuführen war das Ziel des Projekts. Eine Wanderausstellung durch den Walgau widmet sich dieser über Jahrhunderte dauernden „Massenbewegung“ und den neuen Forschungsergebnissen.

Erfolgreiche Wanderausstellung

Für den Walgau wurde für das Jahr 2012 ein Programm entwickelt, das als zentrales Vermittlungselement eine Wanderausstellung vorsah, die mit einem Rahmenprogramm ergänzt wurde. Jede Gemeinde wurde zum Mitmachen eingeladen. Es meldeten sich acht Gemeinden zu diesem ELEMENTA WALGAU- Projekt an: Schnifis, Göfis, Frastanz, Nenzing, Thüringen, Nüziders und erfreulicherweise auch die beiden Städte Bludenz und Feldkirch. Die Ausstellung mit zehn Schautafeln und zwei Vitrinen wurde von Mag. Christof Thöny und Thomas Gamon kuratiert, und von Grafik Frei gestaltet. Neben allgemeinen Informationen wurde insbesondere das Leben eines der berühmtesten Schwabenkinder, Regina Lampert, aus Schnifis, dargestellt. Ihre Tagebücher in Buchform sind nach wie vor ein Bestseller und gehen mittlerweile in die 9. Auflage. Spezielle Tafeln listetet die Schwabenkinder des Ortes, an dem die Ausstellung statt fand, auf. Diese Ortstafeln beinhalteten die eigenen Forschungsergebnisse und die der Schwaben. Sie erweckten das größte Interesse der Besucher. Jede Ausstellergemeinde konnte ihre selbst gestaltete Tafel behalten. Drei Dokumentarfilme zum Thema wurden während der Ausstellungszeiten gezeigt. Annähernd 3.300 Menschen besuchten die Ausstellung an den acht Ausstellungsorten.

Weiterführende Informationen:

Schwabenkinder Datenbank:

Wege der Schwabenkinder:

Buchtipps:

  • Regina Lampert - Die Schwabengängerin. Erinnerungen einer jungen Magd aus Vorarlberg 1864-1874. Herausgegeben von Bernhard Tschofen. Limmat Verlag.
  • Die Schwabenkinder - Christine Brugger: Daheim war ganz weit weg... Arbeit in der Fremde vom 17. bis 20. Jahrhundert. Im Auftr. d. Bauernhaus-Museums Wolfegg, 2016.

Presseberichte:

Film, Trailer und Dokumentation:

Quelle: Walgau Wiki / Die Schwabenkinder Interreg IV-Projekt / schwabenkinder.eu