Was sind Meerschaumpfeifen?

Meerschaumzigarrenspitz

Unser Objekt des Monats ist ein besonders schönes Beispiel eines "Zigarrenspitzes aus Meerschaum". Es ist eines der besonderes eindrucksvollen Objekte, das im Rahmen der diesjährigen Inventarisierung im Tabakmuseum Frastanz von einem engagierten Studententeam dokumentiert worden ist. Mehr zum Objekt finden Sie, wenn Sie direkt das "Objekt des Monats" anklicken.

Doch was ist "Meerschaum", dieses Wort, das so viele Assoziationen weckt? Archivar Thomas Welte erläutert: "Sepiolith, besser unter „Meerschaum“ bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Magnesiumsilikat, das unter Tag in knolliger Form und weißlicher Farbe gefunden wird. Vor dem Trocknen ist die Meerschaumknolle wachsweich und fühlt sich fettig an.

Die Bezeichnung hat weder etwas mit „Meer“, noch mit „Schaum“ zu tun, sondern leitet sich von der levantinischen* Handelsbezeichnung „Mertscavon“ ab. Die österreichischen Händler, die zu Zeiten der Monarchie den Meerschaummarkt kontrollierten, deutschten das unaussprechliche Wort ein. Auch in anderen Sprachen wurde diese Bezeichnung unverändert übernommen.

Zur Pfeifenherstellung eignet sich die Knolle ausgezeichnet, da sie leicht zu bearbeiten ist und wegen ihrer porösen Struktur sehr saugfähig ist. Zudem ist Meerschaum feuerfest, wodurch beispielsweise ein Pfeifenkopf nicht durchbrennen kann. Zudem haben Pfeifen aus Meerschaum einen neutralen Geschmack und eignen sich gut für die Beurteilung eines Tabaks.

Eine weitere Besonderheit von Meerschaum ist die Verfärbung durch das Rauchen. So kann sich der Pfeifenkopf beim Rauchen von hellbeige über gelbbraun bis dunkelrot verfärben.

Ein klassischer Fundort von Sepiolith ist die Türkei, das Mineral wurde aber auch in Kärnten, in Salzburg, Niederösterreich und der Steiermark gefunden.

Früher war Wien eine Metropole der Meerschaumpfeifenerzeugung. Bekannte Hersteller waren Andreas Bauer, Leopold Weiss und Robert Strambach. Heute darf Meerschaum nicht mehr aus der Türkei als Rohmaterial exportiert werden. Vielmehr muss es in türkischen Werkstätten zu Pfeifen oder Schmuck verarbeitet werden. Nur Halbfabrikate dürfen das Land verlassen, um in anderen Ländern dann noch poliert und mit einem Mundstück versehen zu werden."

* Levante = historische Bezeichnung für die Länder des östlichen Mittelmeers