Otto Schallert hatte früh in der väterlichen Wagnerei mitzuhelfen: »Schon als Schüler musste ich Schi biegen.« Schallert ging beim Vater, den er als überaus streng, aber überdurchschnittlich talentiert beschreibt, in die Lehre. Bis in die 1960er Jahre führte er die Werkstatt dann selbst weiter. Heute führt Otto Schallert Interessierte gerne durch die alten Räume.
Mittelpunkt der Wagnereiwerkstatt sind eine Bandsäge und eine Gattersäge, die Otto Schallerts Vater selbst gebaut hat. Die beiden Sägen sind bis heute funktionstüchtig. Einst wurden in der Wagnerei Schlitten, Rodeln, Wagenräder und Werkzeugstiele hergestellt. Ab den 1920er Jahren spezialisierte sich der Vater zusätzlich auf die Herstellung von Schiern. Um das alte Handwerk umfassend zu dokumentieren, sind in Otto Schallerts Werkstatt neben verschiedenen Schimodellen exemplarisch auch einzelne Wagnereiprodukte zu sehen. Sämtliche - oft selbstangefertigte - Maschinen und Geräte sind vollständig erhalten. Die gesamte Werkstatt befindet sich seit Ende der 1950er Jahre wie in einem Dornröschenschlaf.
Bewahren einer Handwerks- und Familiengeschichte
Mit seiner Schauwerkstatt hält Otto Schallert das Erbe seines Vaters hoch. Nach Anleitung von Schipionier Hannes Schneider entwickelte und baute Vater Schallert Schier, die zu Meilensteinen der Schigeschichte geworden sind. Dieser Wagnerwerkstatt kommt damit in zweifacher Hinsicht die bedeutung eines historischen Ortes zu: Sie ist Schauplatz längst vergessenen Handwerkswissens und eine der staubigen Wiegen österreichischer Schigeschichte.
- 2016 wurde die Sammlung in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landes inventarisiert und in die M-Box aufgenommen.
- Im Rahmen der Inventarisierung wurde der vielschichtige Arbeitsprozess der Skiproduktion dokumentiert.
- Interviews mit Otto Schallert
- Fotodukumentation des Arbeitsprozesses
Alte Straße 13
6710 Nenzing
Österreich
47.18485, 9.7005
Wagnerei und Skiwerkstatt Otto Schallert
Otto Schallert hatte früh in der väterlichen Wagnerei mitzuhelfen: »Schon als Schüler musste ich Schi biegen.« Schallert ging beim Vater, den er als überaus streng, aber überdurchschnittlich talentiert beschreibt, in die Lehre. Bis in die 1960er Jahre führte er die Werkstatt dann selbst weiter. Heute führt Otto Schallert Interessierte gerne durch die alten Räume. Öffnungszeiten: nur nach telefonischer Voranmeldung
Eine kleine Auswahl der Sammlungsobjekte.
Weitere finden Sie auf: Objekte
Backen-Bindung
2-Teilig, Backen zur Fixierung des Skischuhs, auf beiden Backen findet sich die Inschrift "Tyrolia" sowie die pyramidal angeordneten Zahlen "U.S. PAT. NR. 2,867,446 G Made in Austria PAT. NR. 199.550"
Das Zubehör (Metalle und Bindungen) wurde aus Rankweil "Großhandel Rohstoff Rankweil" angeliefert.
Backen; je 3,3 x 9 x 11,6 cm
Bandsäge
Diese Bandsäge wurde von Christian Schallert in den 1920er Jahren gebaut. Bis 1966/67 blieb sie im Betrieb für die Skiproduktion. Kleine Reparaturen wurden selbst durchgeführt. Sie wurde für das Zuschneiden der Holzblöcke, welche von der Gattersäge kamen, für einen groben Feinschnitt verwendet. Angetrieben wurde sie durch einen 1 PS Motor mittels Transmissionsriemen mit Gleichstrom, der sich im Keller befindet.
Holz, Metall; 283 x 151 x 124,5 cm
Gattersäge
Auf der Gattersäge wurde das Holz grob auf vier und zwei Meter Länge zugeschnitten. Die Stärke betrug 25mm. Nach einem Trocknungspozess unter Dach an der Luft wurde das Holz für die Skiproduktion vorerst auf der Bandsäge weiter verarbeitet.
Holzski
Ski von Hannes Schneider. Diesen Ski bekam Christian Schallert um 1921 von dem Skipionier Hannes Schneider und diente der Familie Schallert als Vorlage für weitere Ski. Hannes Schneider brachte die ganzen norwegischen Muster.
Holz (Hickory); 12,7 x 219 x 8,6 cm
Langriemenbindung
Die Bindungen kamen aus einem Großhandel in Rankweil, es wurden immer die neusten Modelle verwendet. Ski wurden in den meisten Fällen ohne Bindung verkauft.
Metall, Leder;
4,5 x 2,7 x 50 cm; 3 x 2,7 x 216 cm; 0,3 x 1,4 x 163 cm
Schleifmaschine
Schleifmaschine für die Skiproduktion. Die Schleifmaschine und der Schleifkopf wurden von Christian Schallert selber hergestellt. Arbeitsschritte der Skiherstellung: Gattersäge - Bandsäge - Hobelmaschine - Kehlmaschine - Spitzbogenofen - Spitzenfertigung - Schleifmaschine.
Metall, Holz, Kunststoff; 32 x 53 x 27,4 cm
Skilehre
Lehre (Modell) für die Skiherstellung, mit Bleistift wurde die Zahl "200" vermerkt.
Holz; 2,4 x 200 x 1,4 cm
Skipresse
Die Skipresse kam bei der Pressung von Schichtskiern in Einsatz. Ein Schichtski bestand aus Oberfläche, Unterfläche und Belag. Der Rillenstab wurde mit in die Presse gegeben, der die Rille an der Unterseite des Skis erzeugte. Es dauerte ca. 40 min, dann war der Ski fertig. Der Druck (Volldruck) lag bei 40 Tonnen. Nachdem der Ski verleimt war, wurde er wie ein Vollholzski weiterverarbeitet.
Spitzbogenofen
Spitzbogenofen auf vier Standbeinen, der Ofen besitzt an der rechten kurzen Seite eine Öffnung mit einer Türe für die Zufuhr von Brennmaterial sowie zwei Schraubzwingen. An der linken kurzen Seite des Ofens befindet sich ein Rauchabzug mit ebenfalls zwei Schraubzwingen, an der Oberseite befinden sich zwei Holzleisten, welche mit den Schraubzwingen befestigt werden und zur Fixierung der Ski dienen.
Sammlerbiografie (2:27 Min)
Otto Schallert wurde 26.8.1926 geboren. Bereits als Schüler half er viel beim Vater in der Ski-Werkstatt. Mit 17 Jahren ist er nach Völs im Tirol zum Arbeitsdienst eingerückt. 1944 musste er mit seiner Einheit (in Villach) nach Jugoslawien in den Krieg. Als er nach der Flucht aus dem Kriegsgefangenlager wieder zu Hause ankam, begann er beim Vater den Beruf des Wagners zu lernen, hat dann auch den Betrieb bis 1967 weitergeführt. Anschließend arbeitete Otto Schallert lange Zeit in der Schweiz.
Ist ein typisches Nenzinger Objekt in ihrer Sammlung vorhanden? Gibt es ein Objekt, welches sie oder ihr Vater erfunden haben?
Der Vater von Otto Schallert war ein sehr begabter und kreativer Kopf. Aus diesem Grund hat er auch eine Skikeil aus Birkenholz entwickelt, dass die Produktion und den Ski leichter werden lässt, da Birkenholz ein sehr leichtes Holz ist. Das wurde von seinem Vater erfunden.
Sammlerbiografie (2:27 Min)
Otto Schallert wurde 26.8.1926 geboren. Bereits als Schüler half er viel beim Vater in der Ski-Werkstatt. Mit 17 Jahren ist er nach Völs im Tirol zum Arbeitsdienst eingerückt. 1944 musste er mit seiner Einheit (in Villach) nach Jugoslawien in den Krieg. Als er nach der Flucht aus dem Kriegsgefangenlager wieder zu Hause ankam, begann er beim Vater den Beruf des Wagners zu lernen, hat dann auch den Betrieb bis 1967 weitergeführt. Anschließend arbeitete Otto Schallert lange Zeit in der Schweiz.
Gibt es Wünsche für die Zukunft der Sammlung? (1:14 Min)
Da bereits seine Söhne bei ihm in der Werkstatt als Kinder mitgearbeitet haben, bezweifelt Otto Schallert nicht, dass der noch lebende Sohn die Werkstatt nicht verfallen lässt. Es gab schon Gespräche, ob man daraus ein Museum machen soll, allerdings wäre das mit großem Aufwand und Umbauarbeiten verbunden.
Welches Objekt empfinden Sie als das „Highlight“ Ihrer Sammlung? (0:45 Min)
Als Highlight seiner Sammlung sieht Otto Schallert die selbstgebaute Säge seines Vaters. Voller Stolz erzählt Schallert, dass jedes Teil, bis auf den zugekauften Motor, von seinem Vater selbst hergestellt und eingebaut wurde. Die Säge funktioniert bis heute bestens.
Von welchem Objekt wäre Ihnen wichtig, dass es auch den Menschen in 50 Jahren noch präsentiert wird? (0:29 Min)
Für Otto Schallert ist vor allem der Skikeil, eine eigene Erfindung des Vaters, eine prägende Erinnerung und für ihn besonders erhaltenswert. Für ihn ist dieser Skikeil das Symbol dafür, dass Vater und Sohn miteinander die Skitechnik in der eigenen Werkstatt weiterentwickelt haben.
Rohstoff Holz (9:06 Min)
Das Holz aus der Umgebung, bevorzugt aus Nassgebieten und geschlägert in Hörnli-Monaten - Tierkreiszeichen wie Steinbock, Widder, u.a. - lagert nach dem Entrinden mehrere Jahre im Freiluftschopf.
Zuschnitt (17:35 Min)
Das angelieferte und aussortierte Holz wird auf dem Wagen zur Gattersäge gezogen und geschnitten. Das stabilere Holz neben dem Mark des Stammes eignet sich besonders für die Skiproduktion. Nach mehrjähriger Lagerung im Freiluftschopf werden die Bretter mittels Schablone gezeichnet und grob mit der Bandsäge zugeschnitten.
Holzverwendung, Sägen (7:12 Min)
Holz wird in der Industrie oft nicht richtig verwendet. Mit dem „Tröllhoka“ dreht man den Stamm in die richtige Richtung (mit einem Kreis und einem Loch am Ende – Drillhaken). Mit der Waldsäge wird der Stamm gleichmäßig auf Länge geschnitten. Die Faserrichtung beim Schneiden ist zu beachten, Fasern müssen stehen, sonst blättert das Werkstück aus.
Rohski (Min 7:40)
Mit der Bandsäge wurde der Ski grob zugeschnitten, gehobelt und auf der Kehlmaschine (Tischfräsmaschine) mit Anlaufring und Schablone zugerichtet. Danach war der Ski bereit zum Sieden und Biegen im Biegeofen. Ab 1928 wurden der Ski gekehlt und in den 50er Jahren kam der verleimte Ski auf, der keine Kehlung mehr brauchte.
Skiverarbeitung (16:57 Min)
Sein Vater kaufte die vielseitig verwendbare Kehlmaschine im Jahre 1928. Zu der Zeit wurde der moderne Ski ausgekehlt, ausgenommen waren nur kleine Ski. Die Norweger waren bei der Skientwicklung führend. Der Ski wurde nach dem Kehlen im Leimofen gebogen, die Skispitzen nach Schablone ausgesägt und mit Gefühl beim Feinschliff in die endgültig Form gebracht. Nach dem Schleifen des Vollskis (kompletter Holzski) wurde der Ski gebeizt und zweimal lackiert. Die Oberkanten wurden danach mit Spezialkleber aufgeklebt, die Bindung montiert und die Metallfassung für die Spitze angebracht. Nach Wunsch der Auftraggeber wurden die Bindungen an die gewünschten Schuhe angepasst, meistens jedoch wurden die Ski ohne Bindung verkauft. Nenzing war Hochburg der Skifahrer damals, bessere Skifahrer als am Arlberg.
Vom Holzski zum Mehrschichtski (11:52 Min)
Kurze Zusammenfassung der bisherigen Arbeitsschritte. Die fertigen Ski wurden zum Trocknen für mehrere Tage auf Gestellen gelagert. Zusammen mit zugekauften Skistöcken waren die Ski nun bereit für den Verkauf. In den 50er Jahren verlagerte sich die Produktion vom Holzski zum Mehrschichtenski, der sich durch die Schichtverleimung nicht mehr verziehen konnte. Anfang 1952 lernte Otto Schallert bei Schuh-Ski in Wien diese neue Technik der Skiherstellung. Nach der Verleimung verlief die Verarbeitung gleich ab wie beim Vollholzski, nur die Kehlung war nicht mehr nötig. Für die Oberfläche wurde meistens Hickory-Holz genommen. Später, in den letzten Jahren, wurde auch Glasfaser eingesetzt.
Skimodelle, Personal und Arbeitsschutz (4:48 Min)
Es wurden verschiedene Modelle für Erwachsene, Jugendliche und Kinder produziert, der wendige Torlaufski und der härtere Abfahrtski für die guten Skifahrer. Im Winter waren bis zu vier Mitarbeiter beschäftigt, Bauern aus der Gegend, die als Saisonarbeiter sich auf bestimmte Arbeitsbereich spezialisierten. Es gab kaum Arbeitsschutzmaßnahmen und es wurde selten kontrolliert.
Werkstattablauf (4:20 Min)
Nachdem das Holz in die Werkstatt gebracht und grob die Maße aufgezeichnet wurden, begann der Zuschnitt auf der Bandsäge. Weiter ging es mit dem Aushobeln und dem Zurichten auf der Kehlmaschine. Im Erdgeschoss entstand so der Rohski. Im Keller ist ein Ein-PS Motor, der die alle Maschinen antreibt, ein separater Motor für die Hobelmaschine und noch ein Drei-PS Motor für die Gattersäge. Der Vater von Otto Schallert hat vieles in seiner Werkstatt selber konstruiert.
Keller, Flugdächer und Gattersäge (1:59 Min)
Im Keller befinden sich drei Motoren für Gattersäge, Bandsäge, Kehl-, Bohr- und Schleifmaschine. Im Garten waren mehrere hohe wandlose Flugdächer für die Lufttrocknung des Holzes, das bei übergehendem Mond für bis zu drei Jahre eingelagert wurde. Das so getrocknete Holz wurde in der Gattersäge und anschließend auf der Bandsäge zugeschnitten. Die Gattersäge wurde vom Vater gebaut.