Die Weinrebe in ihren wilden Formen (Vitis, Familie der Vitaceen) ist bereits deutlich älter als der Mensch. Fossile Blätter von Weinreben wurden an verschiedenen Orten der Welt gefunden. Die ältesten Vorfahren der heutigen Trauben stammen – mit gewissen Vorbehalten - aus dem Mesozoikum zu Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren.1 Es ist aber schwierig, von dort die Entwicklung der Vitaceen zu verfolgen, da um diese Zeit sehr bedeutende geologische Veränderungen begannen, die über viele Millionen Jahre erst zur heutigen Gestalt der Erde führten. In verschiedenen Bereichen Nordamerikas und Ostasiens scheinen sich längerfristig klimatische Bedingungen für das Überleben verschiedener Vitaceen geboten zu haben, von wo aus eine globale Verbreitung in Zeiten tropischer und subtropischer Klimaentwicklungen immer wieder stattfinden konnte. Das Auftreten von Fossilien der Vitaceen über die geologischen Epochen seit der Kreidezeit wurde auch schon als Anzeiger für bestimmte Klimaverhältnisse zu bestimmten Zeiten erkannt und als Versuch zur Entwicklung einer Klimageschichte genutzt.
Wir können davon ausgehen, dass in der letzten großen Eiszeit im gesamten Alpenraum und auch weltweit im Bereich großer Vereisungen und wohl auch über deren Ränder hinaus alle Vitazeen ausgestorben sind. Eine natürliche Neuausbreitung in diese Bereiche etwa aus Spanien, wo Fossilfunde das Überleben der Vitaceen belegen, kann also wohl erst vor etwa 12 000 Jahren begonnen haben, als der Mensch schon präsent war.
Die Menschen der Altsteinzeit dürften den kleinen und sauren Beeren der wilden Trauben wohl noch keine größere Beachtung geschenkt haben. Die ältesten Funde von Kernen kultivierter Reben wurden in Georgien gefunden und auf die Zeit 7000 bis 5000 v. Chr. datiert. Möglicherweise war damals der Wein bereits bekannt. Hinweis darauf geben Tonkrüge, in denen eine spontane Gärung der Trauben erfolgen konnte. Die ältesten gefundenen, amphorenhaften Behälter stammen aus Transkaukasien, wurden in ähnlicher Form von den Griechen und Römern übernommen und bis vor kurzem noch in Portugal in Verwendung genommen. Vermutlich in diese Zeit passt auch ein Hinweis aus dem Alten Testament, Gen. 9, 20: „Noah wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg“.
Die wilden Weinreben waren sogenannte zweihäusige Sorten, die zur Fortpflanzung männliche und weibliche Pflanzen benötigten. Aber bereits in der Bronzezeit wurden aus der Wildform Vitis sylvestris einhäusige zwittrige Pflanzen selektioniert und durch fortgesetzte Selektionierung zu Edelreben entwickelt, aus denen sich langsam regional angepasste höherwertige Rebsorten differenzierten. Diese wurden entlang der damaligen Handelsstraßen und Meeresverbindungen relativ schnell verbreitet, nach Norden bis zum Schwarzen Meer, nach Süden bis Ägypten und nach Westen in den Mittelmeerraum. Der älteste Nachweis eines urgeschichtlichen Kulturweines in Mitteleuropa stammt aus der spätbronzezeitlichen Wallbefestigung von Stillfried an der March (NÖ), also aus einer Zeit vor den Kelten und Römern. Es scheint sich um eine relativ wohlhabende Dorfgesellschaft unter kriegerischer Führung gehandelt zu haben, die die Reben entsprechend nachgewiesener Handelskontakte aus dem pontisch-kaukasischen Raum bezogen haben könnte.2
Relativ häufige Funde aus der Eisenzeit (9. bis 6. Jh. v. Chr.) im Raum Niederösterreich, Burgenland, Slowakei und Ungarn belegen die Entstehung einer eigenständigen, regionalen Weinkultur, die den frühen Kelten zuzurechnen ist, bei denen Trinkgelage durchaus üblich waren, wie aus zahlreichen bildlichen Darstellungen aus der Hallstatt- und Latènezeit ersichtlich ist.
Von dieser Zeit an fand entlang der Handelswege und Alpenübergänge eine stetig zunehmende Romanisierung statt, die zunächst durch Handelskarawanen, dann durch Freundschaftsverträge (z.B. Erzabbau in Noricum) und schließlich durch die Ausdehnung des römischen Reiches erfolgte. Die Gegenleistung der römischen Händler bestand weitgehend in Weinlieferungen und wohl auch in Vermittlung von Rebmaterial und Weinbauwissen.