Die Erziehungsart der Reben

Die Erziehungsart der Reben beeinflusst maßgeblich die Reifung und die Qualität der Trauben. Dicht über dem Boden stehende Trauben reifen früher und geben weit besseren Wein, als diejenigen, welche einige Fuß hoch von demselben entfernt sind. Die Erziehung mit Bogenschnitt, der in den früheren Jahrhunderten in Vorarlberg hauptsächlich zur Anwendung kam, führe zu umso geringeren Trauben, je länger der Bogen angeschnitten werde, meint Schmidlin1. Beim Bogenschnitt wurde ein kräftiger vorjähriger Trieb im Bogen zurückgebunden an den Pfahl. Am Bogen ließ man Triebe stehen, sodass ein lockerer buschförmiger Stock wuchs. Diese Methode hatte den entscheidenden Nachteil, dass durch das Blattwerk weniger Sonne an die Früchte kam.2

Als anerkannt beste Erziehungsart nennt Schmidlin den Zapfenschnitt, der in Vorarlberg mit zunehmendem Qualitätsweinbau mehr zur Anwendung kam. Dabei werden Schosse auf zwei bis drei Augen geschnitten und aufwärts gezogen, wodurch die Stockpflege erleichtert und eine bessere Reifung der Trauben ermöglicht wurde.

  • 1

    Schmidlin, Eduard: Der Weinstock. - In: Das Buch der Welt, Hoffmann‘sche Verlags-Buchhandlung, Stuttgart 1846, S. 104.

  • 2

    Zeller, Ingrid: Weinbau in Vorarlberg. Schriftenreihe der Rheticusgesellschaft 16, Feldkirch 1983, S. 30.