Bürser Burgen I: Burg Rosenegg

Gezeichnet vom Dornbirner Künstler Casimir Walch (1838–1892)  (gemeinfrei)

Eine verschwundene Burg, eine restaurierte Ruine und vier Namen: Feste Bürs, Balme Hohlenegg, Schloss Rosenberg und das „Schlössle“ Rosenegg, das in Wirklichkeit die Feste Bürs ist. Durch Umbenennungen, Abschreibfehler und Verwechslungen wurde viel Verwirrung gestiftet und erst der Historiker Dr. Manfred Tschaikner hat mit detektivischem Spürsinn Ordnung in das Chaos gebracht und sogar den Standort der verschwundenen Burg ausfindig gemacht.

Burg Rosenegg

Die Burg Rosenegg steht außerhalb vom Dorfkern Bürs auf einem Ausläufer der „Schass“. Der Name Schass kommt vom Rätoromanischem und bedeutet soviel wie Stein oder Fels und in der Tat erhebt sich dieser Felsen hinter dem Ortszentrum wie eine riesige Betonmauer. Die Felswand besteht aus verfestigten Schotterablagerungen des Alvierbaches, dem Bürser Konglomerat. Weiter östlich dieses Felsens steht auf einer Waldkuppe die Burg Rosenegg, welche 1382 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Sie dürfte jedoch schon Mitte des 13. Jahrhunderts als fünfstöckiger Wohnturm mit Umfassungsmauer errichtet worden sein. Den Namen Rosenegg erhielt sie jedoch erst im 19. Jahrhundert. Der ursprüngliche Name war vesti zu Burs.

Diese Feste zu Bürs wurde von den Grafen zu Werdenberg errichtet. Bei einer Teilung der Hausgüter kam die kleine Burg in den Besitz des Grafen Albrecht III. von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. Dieser Graf, der fünf Töchter, aber keinen „Stammhalter“ hatte, verkaufte die Herrschaft Bludenz an die Habsburger und so ging nach dem Tod des Grafen um 1420 auch die Burg an den österreichischen Adel. Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch schon eine Ruine, weil sie im Jahre 1405 so wie viele andere Burgen im Walgau von den Appenzellern zerstört worden ist. Der Schriftsteller Norman Douglas, der die Burg noch vor der Restaurierung kannte, schrieb in seinem Buch „Wieder im Walgau“ Folgendes:

„Rosenegg, wie ich es kannte, war ein wahrhaft düsterer Bau, der einsam hier oben zerfiel, weit weg von den Wohnstätten der Menschen, auf seinem sonnenlosen Hügel und im Schatten dieser mächtigen rätischen Gipfel. Niemand schien je dem Ort nahezukommen. An der Ostseite gab es in ansehnlicher Höhe ein zerfallenes Fenster, und dort konnte man hineingelangen, indem man einen wilden Kirschbaum erkletterte und von dort auf den Sims sprang. Das Innere war ein zerbröckelnder Wirrwarr von Steinen.“

In den letzten beiden Jahren des 19. Jahrhunderts ließen Hans Schultheiß und später der jüdische Tabakfabrikant Wilhelm Kissenberth, beide aus Landshut, die Ruine im neugotischen Stil renovieren. Norman Douglas schrieb über diese Wiederherstellung ebenfalls in seinem Buch:

„Sechs volle Jahrhunderte lang lag die Ruine verlassen und verloren in der Gegend. Dann, erst kürzlich, kaufte jemand das Ganze und verwandelte es in einen Wohnsitz, mit gutem Geschmack, soweit es sich von der Außenfront her sagen lässt. Trotzdem wirkt es störend, dass einige exotische Nadelholzbäume auf dem Grundstück gepflanzt wurden. Ohne Zweifel werden sie hier gut gedeihen, aber sie passen nicht in die alpine Umgebung. Ich muss also einmal des Nachts kommen und sie ausreißen.“

Zum Glück hat sich der Schriftsteller nicht hinreißen lassen, seine Absicht in die Tat umzusetzen und die Bäume sind, wie er vorausgesehen hat, gut gediehen. Der Schlosswald erhält durch die Exoten ein vornehmes parkähnliches Aussehen.

Ende der 1930er-Jahre erfolgten unter Dr. Ernst Mahle aus Stuttgart weitere Umbauten. Zudem ließ er auch ein einstöckiges Wohnhaus an den Turm anbauen.

Besonders schön ist der Bergfried im Herbst anzusehen, wenn die Blätter des wilden Weines, der über das Gemäuer wuchert, sich verfärben und ein sattes, warmes Rot annehmen. Das „Bürser Schlössle“ wirkt dann wie ein verwunschenes Dornröschenschloss. Wenn man hinter der Burg die flachen, feuchten Wiesen durchquert und geisterhaft die weißen Nebelschwaden aufsteigen, kann man sich gut vorstellen, wie die Sage vom Burgfräulein auf Rosenegg entstanden ist. Diese Sage verdankt seine Entstehung der Phantasie der Menschen. Die wirkliche Geschichte der Burg hat der Volksmund jedoch vergessen und sogar der richtige Name war nicht mehr bekannt.

Die Burg kann nicht besichtigt werden, da sie in Privatbesitz ist. Es führt jedoch ein Rundweg um das Schlösschen herum.

Quellen:

Manfred Tschaikner: Bludenzer Geschichtsblätter Heft 90+91 (2009)
Alois Niederstätter: Die Vorarlberger Burgen Universitätsverlag Wagner (2017)
Norman Douglass: „Together“ deutsch „Wieder im Walgau“ („Together 1923 London)

Links:

YouTube Burgen im Walgau – Burg Rosenegg und Balme Hohlenegg Buers (Dr. Manfred Tschaikner) WTV S014
https://www.youtube.com/watch?v=lBYxoJEYQiw

Walgau Wiki: Rosenegg Bürs (https://wiki.imwalgau.at/Rosenegg_B%c3%bcrs)

Das Burgfräulein auf Rosenegg (http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/vorarlberg/innerwaldgau_bludenz/burgfraeulein.html)